Innere Stärke beim Multiplen Myelom? – Gedanken ordnen und Gefühle zulassen!
Shownotes
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00:00:06: Hallo und herzlich willkommen bei Zurück zu dir.
00:00:08: Zurück zu dir, das ist unser Videopodcast für Menschen, die mit dem Multiple Myolom leben und alle, die sie dabei begleiten.
00:00:17: Und auch heute geht es wieder um Wege wie Betroffene auf dem Weg durch die Krankheit zurück zu sich selbst.
00:00:23: Heute haben wir ein Thema, was viele dabei ganz besonders bewegt.
00:00:26: Und das ist der emotionale Umgang mit der Krankheit.
00:00:29: Denn die Behandlung des Multiplenmiolums macht natürlich nicht halt beim Körper.
00:00:34: Auch die Seele braucht sehr viel Aufmerksamkeit, Verständnis und Zuwendung.
00:00:38: Und deswegen spreche ich heute mit Frau Dr.
00:00:41: Martina Preisler.
00:00:43: Sie ist Psycho-Onkologin, Coach und Autorin.
00:00:46: Und sie zeigt uns heute wie ... innere Stabilität entstehen kann, wenn Körper und Geist gemeinsam betrachtet werden.
00:00:53: Schön, dass du da bist, Martina.
00:00:55: Vielen Dank für die Einladung.
00:00:56: Ich freue mich sehr auf das Gespräch.
00:00:58: Du begleitest ja schon seit vielen Jahren Menschen psycho-onkologisch an der Charité, die in dieser Situation sind.
00:01:06: Wenn du so an deine Arbeit denkst, was bewegt dich besonders, Menschen in dieser Phase zu helfen?
00:01:12: Mich bewegt besonders, dass ich Menschen treffe in einer Lebenssituation, wo alles auseinander fällt, wo nichts mehr selbstverständlich ist.
00:01:21: So eine Krebsdiagnose mitten im Alltag und auch zum ersten Mal dann mit der Endlichkeit konfrontiert und zu merken, wie verletzlich und wie vergänglich das Leben ist.
00:01:33: Und dann aber auch so zu sehen, wie Menschen die Ressourcen haben und auch wieder aufstehen und ihren Weg weitergehen.
00:01:41: Das betrachte ich als großes Privileg, da mit zu unterstützen, zu begleiten, Orientierung zu geben.
00:01:49: Wir haben ja auch schon eine erste Folge von dieser Podcast-Reihe gemacht und da haben wir mit einem Betroffenen genau über dieses Thema gesprochen.
00:01:56: Das ist Klaus, der ein Multiplismäolom hat auch schon seit vielen Jahren.
00:02:00: Und der wirklich sehr farbig erzählt, wie er wieder zurückgefunden hat, so ins Leben.
00:02:06: Und der ein sehr, wirklich sehr engagierter, vitaler, fast aktivistes in Sachen Multiplismäolomis hat mich wirklich sehr beeindruckt.
00:02:15: Was sind denn das?
00:02:16: für seelische Herausforderungen, mit denen die Menschen umgehen müssen?
00:02:20: Es sind natürlich die Ängste, verschiedenste Ängste, die man bewältigt muss.
00:02:24: Angst vor der Therapie, Angst, wie es weitergeht, Angst, was mit meinen Angehörigen wird.
00:02:29: Oder auch, wenn ich allein stehen bin, wie soll ich das alleine weiterhin zu Hause schaffen?
00:02:37: Ganz, ganz, ganz unterschiedliche Ängste.
00:02:39: Und dann ... natürlich wie orientiere ich mich jetzt wieder in dieser Welt.
00:02:45: Oder auch wenn die zum ersten Mal aufs Gesundheitssystem treffen.
00:02:47: Erst mal in der Klinik ankommen, da hat man gewisse Erwartungen, kommt mit Ideen rein und ich sage immer so eine Diagnose ist das eine, was mich beschäftigt, aber das andere ist, wie die Behandlung abläuft.
00:02:59: Und da sind so zwei Enttäuschungen, die man erst mal verarbeiten muss, dass das Leben nicht unendlich ist, sondern dass da was ... Das ist sehr fragiles.
00:03:07: und das andere.
00:03:09: Wie wird das behandelt?
00:03:10: Hat man auch gewisse Ideen und wie die Ärzte da sind, wie die Pflege da ist?
00:03:15: Warum kann denn psycho-onkologische Begleitung so sinnvoll sein?
00:03:18: Auch wenn man vielleicht das Gefühl hat, na ja, eigentlich habe ich es doch im Griff.
00:03:23: Ich schaffe das schon.
00:03:24: Für viele Menschen, gerade wenn sie ein bisschen älter sind, ist ja vielleicht Psycho-Onkologie.
00:03:29: Das klingt erst mal so ein bisschen wie Psychotherapie.
00:03:32: Da hat man ja vielleicht so gewisse Schwellenängste.
00:03:35: Begegnet ihr das?
00:03:36: Und wie reagierst du darauf?
00:03:37: Ja, das ist auch immer so ein bisschen argumentend, wo ich nicht versuche zu überzeugen.
00:03:42: Aber wo ich schon sage, sie haben ihre Freunde, sie haben ihre Familie, aber das sind auch Betroffene.
00:03:50: In der Psycho-Onkologie, in der Psycho-Onkologischen Bekleidung bekommen sie so einen Art Schutzraum.
00:03:53: Da müssen sie nicht stark sein, sondern dass da einfach viele Ängste da sind, die man jetzt Familienmitgliedern aus einer Schutzfunktion nicht sagt.
00:04:03: Und dass man da jemand hat, wo man das alles aussprechen kann, einfach auch am Boden zerstört sein darf.
00:04:08: Und wo man dann gucken kann, wie kann man ... Schritt für Schritt wieder Mut und Zuversicht schaffen.
00:04:15: Das ist auch ganz wichtig.
00:04:16: Es ist ja auch dieses Einordnen von dem, was man so fühlt.
00:04:19: Schuldgefühle, Kontrollverlust, Ängste, Scham.
00:04:26: Also kommen ja viele Sachen zusammen und es praktisch jemand zu haben, der das ein Stück weit einordnen kann, sagen kann.
00:04:33: Das geht den anderen auch so.
00:04:34: Ja, die haben das auch so erlebt.
00:04:36: Und das gibt wieder so ein Stück weit Sicherheit und Kontrolle zurück.
00:04:40: Und natürlich gibt es Vorbehalte.
00:04:43: Und was mir aber dann wichtig ist, dass ich, wenn ich die in der Klinik sehe, den auch sagt.
00:04:49: Sie müssen das jetzt nicht in Anspruch nehmen.
00:04:51: Sie gucken einfach, wie es für sie passt.
00:04:53: Ich möchte nur, dass sie wissen, dass es das gibt.
00:04:55: Und auch wenn sie entlassen sind, gibt es Krebsberatungsstellen in jedem Bundesland.
00:05:00: Da sitzen Psycho-Onkologen.
00:05:01: Also das heißt, es sind Psychologen, die eine Zusatzausbildung Psycho-Onkologie haben.
00:05:07: Und bei den Krebsberatungsstellen, da kann man anrufen.
00:05:10: Es ist kostenlos, braucht keine Überweisung, kriegt innerhalb von.
00:05:13: Sieben bis zehn Tage einen Termin vor Ort am Telefon oder per Video Chat.
00:05:18: Und das nicht nur für sie selber, sondern auch für ihre Angehörigen.
00:05:24: Was ich auch immer frag, wer ist da im Umfeld?
00:05:27: Wie geht es Ihrer Frau mit der Situation?
00:05:29: Jetzt, wenn man an die Klinik denkt, an ein zertifiziertes Krebszentrum, da gehört psychoankologische Bekleidung dazu.
00:05:36: Das heißt, Patient kommt rein, die Krankheit wird diagnostiziert und dann kommt gleich die Psychoankologin.
00:05:43: Ein zertifiziertes Zentrum wird gescreened, also die füllen Fragebogen auch, wo praktisch ihr Belastungslevel abgefragt wird.
00:05:51: Dann gibt es einen gewissen Cut-off.
00:05:54: Und wenn der überschritten ist, dann ... wird Psychoankologie angefordert.
00:06:01: Natürlich mit dem Einverständnis des Patienten.
00:06:04: Der wird dann gefragt, ob das in Ordnung ist.
00:06:06: Manchmal wird das vergessen und dann gehen wir trotzdem rein und stellen uns vor und machen das als Angebot.
00:06:14: Das gehört hier zur Behandlung.
00:06:16: Wir sind hierum zu gucken, wie geht es Ihnen gerade in der Situation?
00:06:19: Gibt es irgendwas, wo wir Sie unterstützen können?
00:06:21: Wir bitten Gespräche an, nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Angehörigen, um Sie einfach durch diese Situation zu begleiten.
00:06:28: Und dafür müssen Sie nicht ... Panikattacken haben, mit Depressionen im Bett liegen, sondern es kann auch sehr präventiv einfach sein.
00:06:36: Das
00:06:36: heißt, ihr kommt regelrecht ans Krankenbett, oder?
00:06:38: Ja, ja.
00:06:39: Wir kommen ans Krankenbett.
00:06:41: Und wie muss ich mir das dann vorstellen?
00:06:42: Ist das dann wiederkehrender Termin?
00:06:44: Wie läuft das ab?
00:06:45: Also, wir kommen dann nach Absprache, je nachdem, wie es gewünscht ist, ein, zweimal die Woche, je nachdem, wie lange auch der Aufenthalter ist.
00:06:52: Wir gucken dann immer in diesem Moment, was ist gerade das, was sie am meisten belastet?
00:06:57: Also, fehlen Informationen.
00:06:59: irgendwo Schmerzen, der Zimmernachbarsch nachzulaut.
00:07:05: Ganz pragmatische Dinge.
00:07:08: Und dann gucken wir, wie wir da am besten mit umgehen.
00:07:11: Also von Schlafstörungen, Informationsmangel oder auch, wie sage ich es, den Kindern oder Enkel, je nachdem.
00:07:18: Das heißt, wenn ich mit so einer Erkrankung jetzt nicht an einem zertifizierten Zentrum bin, nicht wie zum Beispiel jetzt in der Charité, habe ich dann trotzdem eine psychologische Begleitung?
00:07:29: Oder muss ich mich dann an das darum kümmern?
00:07:31: Manche onkologische Schwerpunktpraxen haben auch tatsächlich einen Psycho-Onkologin oder einen Psycho-Onkologen mit in der Praxis, aber eher selten.
00:07:39: Es ist schon was, wo man sich selber kümmern muss und die wenigsten Ärzte weisen einen darauf hin.
00:07:44: Ich empfehle immer, gucken Sie sich mal.
00:07:46: Bei der Krebsberatung sind tolle Kolleginnen und Kollegen.
00:07:50: Und die bieten vier, fünf, sechs, sieben Gespräche über einen längeren Zeitraum an, auch mal mehr.
00:07:56: Und wenn man dann merkt, Das reicht mir nicht.
00:07:59: Es hat so viel aufgerissen.
00:08:00: Manchmal triggert hier auch so eine Krebsdiagnose vergangenes, was immer gut unter.
00:08:06: Teppich gekehrt war.
00:08:07: Dann kommen Konflikte hoch, an die man gar nicht mehr gedacht hat.
00:08:09: Konflikte
00:08:09: kommen hoch.
00:08:11: Man merkt, man braucht mehr.
00:08:12: Das ist mit einer psycho-onkologischen Begleitung nicht mehr getan.
00:08:16: Dann sucht man sich einen niedergelassenen Psychotherapeutin, am besten noch mit Schwerpunkt.
00:08:21: Er hat auch die Zusatzausbildung Psycho-Onkologie.
00:08:24: Dass er einfach weiß, das sind reale Ängste, was die Patienten haben, keine Irrationale.
00:08:30: Was macht man mit Menschen, die allein stehen sind?
00:08:32: Da ist natürlich die psycho-onkologische Begleitung anspringen.
00:08:35: Partner, eine gute Option, aber alleinstehend heißt ja aber auch, es gibt vielleicht Freunde, Bekannte und Selbsthilfegruppen sind ein ganz wichtiges Element neben psycho-onkologischer Begleitung.
00:08:47: und es kommt auch darauf an, Multiplismäulom heißt ja nicht, dass man gleich pflegebedürftig ist, sondern das ist ja dann auch sehr unterschiedlich.
00:08:56: Das heißt, irgendeine Form von Netzwerk ist auf jeden Fall zu empfehlen für jeden?
00:09:00: Ja, ich weiß, dass manche auch Vorbehalte haben.
00:09:02: Nee, Selbsthilfegruppen, ich will das nicht alles hören, was die erzählen, das nimmt mich zu sehr mit.
00:09:08: Und dann empfehle ich immer, ja, das kann ich gut nachvollziehen, aber die Selbsthilfegruppenleiter kann man anrufen, man kann sich informieren und ich sage auch immer... Da gibt es so viele Menschen, die schon mit dieser Erkrankung lange leben.
00:09:23: Und sie müssen nicht von klein auf alles jetzt lernen, sondern sie können sich da Informationen holen.
00:09:28: Oder zum Beispiel empfehle ich, rufen sie die ruhig an und fragen mal, was sollte ich jetzt in dieser Situation wissen, was sie gerne auch früher gewusst hätten in der Situation?
00:09:38: Vielleicht
00:09:39: einfach so das Beispiel zu sehen, man trifft jemand, der hat auch ein multiples Myologe, der hat aber ganz viel Lebensfreude.
00:09:44: Ja.
00:09:45: Darum geht es ja sicherlich auch in der Psycho-Onkologie.
00:09:47: dass man da wieder zurückkommt.
00:09:49: Genau, das ist so ein wichtiger Weg.
00:09:52: Wie komme ich aus dieser Krisensituation, aus dem Lebenfallen, aus der Normalität ein Stück weit?
00:10:00: Wie schaffe ich das Schritt für Schritt, wie ein Leben mit dieser Diagnose aufzubauen?
00:10:06: Das Multiple-Myolom ist ja eine chronische Erkrankung und viele erleiden auch immer wieder Rückfälle.
00:10:13: Was passiert denn eigentlich in so einer Phase psychologisch gesehen aus deiner Sicht?
00:10:19: Also da tritt das am meisten gefürchtete ein, dieses Rezidiv oder ein Prozess.
00:10:27: löst so eine große Krisenreaktion, so einen großen Schockmoment auch aus, oft größer als die erste Diagnose.
00:10:34: Weil man dann eben schon zum Teil weiß, was auf einen zukommt, was das alles bedeutet.
00:10:39: Und das Leben, wo man sich gerade so Stück für Stück wieder ein bisschen zurückerobert hat, steht wieder auf Null.
00:10:47: Und man muss wieder gucken, wie geht man mit dem Kontrollverlust um?
00:10:50: Wie gehen meine Angehörigen damit um?
00:10:52: Also auch so diese Ermüdung, Erschöpfung von der Behandlung bisher und in jedem Die Nebenwirkung fühlt sich für die meisten an.
00:10:59: Ich kann es nicht noch mal.
00:11:02: Es bricht alles wieder zusammen.
00:11:04: Was macht man als Psychoankologin in so einer Phase?
00:11:07: Mit den Leuten.
00:11:08: Es ist auch viel Trauerarbeit mit drin.
00:11:11: Man hatte eine Idee von, wie das Leben so weiterlauft, auch mit dieser Angst im Hintergrund, dass es wiederkommen könnte.
00:11:18: Aber trotzdem ist man wieder ein Stück weit zurück im Leben.
00:11:22: Manchmal liegen
00:11:22: auch Jahre dazwischen.
00:11:23: Genau.
00:11:24: Viele Jahre liegen dazwischen.
00:11:28: Von dem her hat man sich vielleicht auch wieder ein Stück weit auch in Sicherheit gebiegt.
00:11:32: Ab und zu mal jemand, ja, ich wusste, dass das kommt.
00:11:34: Es ist nicht immer so dieser wahnsinnige Schock und kommt aber auch darauf an, welches Netzwerk habe ich?
00:11:41: und wenn ich zum Beispiel in Selbsthilfegruppen bin oder auch in den Foren des Verfolgts sehe ich ja, was so auf einen zukommt.
00:11:48: Wie kann man denn Menschen Akzeptanz dieser Situation dann beibringen in Anführungszeit
00:11:55: und
00:11:55: nicht Resignation?
00:11:57: Also beibringen tun wir Psycho-Onkologen per se eigentlich nichts.
00:12:03: Sondern wir machen Angebote, wenn wir merken, dass Gedankengänge oder Einordnungen von Situationen, warum ich, warum immer ich, ich habe mich immer gesund ernährt und ich habe alles beachtet.
00:12:17: Also, dass wir einfach gucken, was gibt es da so, so Gedanken, die man hinterfragen könnte, um dann zu gucken, was tut mir eigentlich gut?
00:12:26: das Ereignis, also diese Erkrankung oder das Rezidiv.
00:12:30: Aber wie ich damit umgehe, da habe ich echt einen Handlungsspielraum.
00:12:33: Und diesen Handlungsspielraum versuchen wir Psychoankologinnen und Psychoankologen zu vergrößern.
00:12:40: Wie schaue ich da drauf?
00:12:41: Wie verhalte ich mich da drin?
00:12:43: Wie bewege ich mich?
00:12:47: Was brauche ich jetzt zum Beispiel an Informationen?
00:12:50: Und dann ganz pragmatisch zu gucken, was ist jetzt der nächste Schritt?
00:12:54: Aber es bleibt ja immer eine Unsicherheit.
00:12:57: Es bleibt ja immer die Angst vor dem Rezediv, der Rückfall.
00:13:00: Irgendwann kommt er, dass Damo Klessch wird.
00:13:04: Gibt es da ein Patentrezept, wie man mit so einer Unsicherheit leben
00:13:07: kann?
00:13:08: Unsicherheit ist auch immer mit Angst verbunden.
00:13:12: Deshalb gilt auch Ähnliches wie Umgang mit der Angst.
00:13:16: Also das Auszusprechen.
00:13:18: Wie fühlt sich das für mich an, diese Ungewissheit?
00:13:21: Das ist schon ein erster Schritt zu Annahme, das Dasein zu lassen, zu benennen.
00:13:26: Und dann mit, was ich gerne arbeite, mit Inseln der Sicherheit.
00:13:31: in all diesen Unsicherheiten zu gucken, was gibt's zu Rituale?
00:13:37: Was gibt's zu Strukturen, die ich mir in diese Ungewissheit einbauen kann?
00:13:42: Eine Patientin sagt, mein Ritual ist morgens, ich steh auf, mach mir ein Glas lauwarmes Wasser, trinkt nach meinen Kaffee auf dem Balkon.
00:13:52: Das muss ich immer so machen, das gibt mir Stabilität.
00:13:55: Dass man sich auch Dinge erlaubt, mit Freunden Spaß zu haben.
00:14:00: gemeinsame Unternehmungen, dass man sich solche Inseln einbaut und das gibt Stabilität, weil dieses große Ungewissheit bleibt.
00:14:12: Damit muss man dann wahrscheinlich irgendwie lernen zu leben.
00:14:14: Kraftquellen sind wichtig.
00:14:16: Hör ich raus.
00:14:17: Wir haben hier welche.
00:14:18: Wir haben hier dieses wunderbare kleine Kartenset, was dabei helfen soll, Betroffene wieder ein bisschen mit sich selbst zu verbinden, wenn man in der Situation ist.
00:14:28: Ich glaube, die können wirklich helfen.
00:14:30: Wir haben dich gebeten, dir einige auszusuchen.
00:14:32: Welche hast du denn genommen?
00:14:34: Ich habe mir diese ausgesucht.
00:14:37: Es ist okay, nicht immer positiv zu sein.
00:14:40: Manchmal reicht es, einfach weiter zu machen.
00:14:43: Das ist eine ganz elementare Karte, finde ich, die einfach beruhigt war.
00:14:49: Unheimlich viel Druck auch ausgeübt wird durch solche Sätze, Kopf hoch.
00:14:53: Du musst immer stark sein.
00:14:54: Du musst positiv denken im Momenten, wo es einfach nicht geht.
00:14:57: Das ist auch psychologisch.
00:15:01: Total normal in Situationen, wo so ein Ereignis im Leben eintritt, dass man da mit Trauer und mit Frustration, mit Schmerz reagiert.
00:15:14: Ich sage immer.
00:15:18: Das ist, als wenn du im Meer schwimmst und es kommen Wellen und du versuchst, immer oben zu bleiben.
00:15:22: Das hält keiner auf Dauer durch, weil es ist ja auch kein Kurzstreckenlauf, sondern Marathon, was die Erkrankung bedeutet.
00:15:30: Und da ist es auch okay, manchmal im Grund anzukommen, sich dann wieder abzustoßen.
00:15:35: Für Angehörige wahrscheinlich in der Situation dann immer ein bisschen schwierig, ne?
00:15:38: Weil die wollen ja mit Kopfhoch haltedurch, wollen sie ja auch helfen.
00:15:42: Ja, es ist einfache ... mit jemandem zu sein, der sagt, das schaffen wir, wir haben Zuversicht.
00:15:48: Also jemand, der das alles gerade spürt und wahrnimmt, was es eigentlich auch existenziell bedeutet.
00:15:54: Und es ist leichter für uns auszuhalten, geht allen so.
00:15:58: Mit anderen Worten, ein Tief darf sein.
00:16:01: Ein Tief darf sein und es ist auch ganz normal in diesem Bewältigungsprozess drin.
00:16:07: Und es hat keinerlei Auswirkungen auf den Erfolg der Therapie.
00:16:11: Die nächste Karte, welche hast du noch?
00:16:13: Die lautet, es muss kein Marathon sein, manchmal reicht schon ein kurzer Moonwalk zum Briefkasten.
00:16:21: Warum hast du die genommen?
00:16:23: Es gibt einfach Momente, wo man nicht mehr weiß, wie man das alles schaffen soll.
00:16:27: Und dann sich bewusst zu machen, es reicht einfach der nächste kleine Schritt.
00:16:34: Einmal unter die Dusche gehen oder mir einen Tee machen.
00:16:38: Das kann einfach schon der nächste Schritt sein und nicht an alles zu denken.
00:16:43: Gott, wie weit geht es noch, wenn Sie zu überfordert sind mit dem, was auf Sie zukommt?
00:16:49: Dann gucken Sie einfach hier und jetzt auf den nächsten Schritt.
00:16:53: Dann ist der Berg zu groß.
00:16:54: Und dann gehen wir ihn Stück für Stück an.
00:16:57: Also Baby steps?
00:16:58: Baby steps.
00:16:59: Genau, das ist auch ganz wichtig.
00:17:01: Haben wir noch eine Karte?
00:17:02: Die Karte lautet, ich bin mehr als das Multiple Myelom.
00:17:06: Meine Geschichte schreibe ich.
00:17:08: Die Diagnose bestimmt mich nicht, sondern begleitet mich.
00:17:13: Und die finde ich von dem her so gut, um es einfach so ein Stück weit auch einzuordnen.
00:17:18: Ja, ich habe die Diagnose.
00:17:20: Und es ist ein Kapitel in
00:17:24: meinem Leben,
00:17:25: aber das ist nicht der Titel meines Buches.
00:17:28: Was wir draus machen, da haben wir Handlungsspielraum.
00:17:32: Ja, wo man ist ja immer noch.
00:17:33: Möglicherweise Ehefrau, Partnerin.
00:17:34: Natürlich.
00:17:36: Man hat vielleicht noch einen Job.
00:17:38: Man hat viele Rollen.
00:17:40: Wir haben auch oft die Diskussion, oder es kommt immer noch hoch, wie lang bin ich dem Patient?
00:17:46: Und da praktisch zu gucken und das einzuordnen, ja, das Einteil meines Lebens.
00:17:51: Aber da gibt es noch viele, viele andere Elemente in meinem Leben, Rollen in meinem Leben.
00:17:56: Und es ist dann auch die große Herausforderung, wenn jemand viel gibt, immer für andere da ist.
00:18:02: andersrum das zuzulassen, dass die anderen da sein dürfen.
00:18:05: Aber natürlich ist es eine Rolle, über die ich mich definiert hatte und die ich jetzt nicht mehr so ausfüllen kann.
00:18:12: Und da ist dann die Frage, wie schaffe ich das?
00:18:15: Welche anderen Rollen habe ich noch inne, dass eben nicht die eine, die jetzt nicht mehr so ausgeführt werden kann, nicht meine ganze Identität bestimmt.
00:18:26: Aber das ist eine große Herausforderung, ja.
00:18:29: Gibt es eine Karte, die dir ganz besonders...
00:18:34: Hab den Mut, alle Fragen zu stellen, die dir wichtig sind.
00:18:38: Wissen gibt dir Stärke.
00:18:41: Gerade in solchen Momenten, das Kontrollverlust ist für viele Informationen was ganz Tragendes.
00:18:47: Weil dann kann man wieder Perspektive entwickeln.
00:18:51: Man kann einen Leitfaden, einen Plan entwickeln, weil ... Je nachdem, wie das Setting ist, wenn man in der Klinik ist, da hat man die Visiten, die Ärzte rauschen durch.
00:19:03: Und dann ist es oft so, dass man sich nicht traut, die Fragen zu stellen.
00:19:08: Die kommen meistens in der Nacht oder abends, wenn es stiller wird.
00:19:10: Das begleitet, glaub ich, jeden Patienten oder Patientinnen auch die Angehörigen.
00:19:14: Das ist ein großes, großes Thema.
00:19:16: Und da gibt es natürlich auch ganz pragmatische Techniken.
00:19:19: Zum Beispiel, wenn es nicht aufhört nachts, dann tatsächlich nicht im Bett liegen bleiben, sondern aufstehen, was ganz anderes.
00:19:25: machen.
00:19:26: Ganz wichtig ist, das Muster zu unterbrechen oder auch herzugehen.
00:19:30: Okay, jetzt schreibe ich mir mal alles auf, was ich gerade denke.
00:19:33: Vielleicht ist da irgendwas, wo ich dran denke, das muss ich meinen Arzt fragen, dann schreibt man das auf und dann kann man wieder versuchen zu schlafen.
00:19:40: Und morgen bei der Visite sagen sie, Moment, ich habe hier ein Zettel.
00:19:44: Ich möchte gerne alle Fragen stellen, darf ich das?
00:19:47: Und dann lesen sie die vor und kriegen somit die Antworten.
00:19:50: Aber es ist tatsächlich so, dass man, man ist einfach einer abhängigen Position als Patient, als Betroffener, wenn man erkrankt und da jemanden zu empowern oder zu ermutigen, die Fragen zu stellen, weil es geht um die eigene Gesundheit, es geht um das eigene Leben.
00:20:09: Ich glaube, das fällt vielen Menschen sehr, sehr schwer.
00:20:12: Aber Wissen, es macht auch in der Beziehung.
00:20:16: Wie ist das?
00:20:17: Ich nehme mal an, man darf dir dann auch alle Fragen stellen.
00:20:21: Redest du mit Menschen auch über die ganz harten Themen?
00:20:25: Ich rede mit den Patienten oder mit den Betroffenen über alles, was sie bewegt.
00:20:32: Für manche ist es an einer gewissen Stelle vielleicht wichtig zu überlegen, was ist denn jetzt, wenn ich tatsächlich dran versterbe?
00:20:40: Ich bin da, ich geb Raum, weil manche sagen, ich will nicht an Geräten hängen und ich will da nicht ewig leiden.
00:20:47: Und dann gucken wir schon, was haben sie so Ängste, was ist es konkret?
00:20:50: Geht es um Schmerzen, geht es um den Ort, wo man ist?
00:20:54: für manche Patienten ist es ja hilfreich diesen Worst Case mal zu durchdenken.
00:20:59: Ja, vielleicht auch Vorsorge zu treffen durch eine Patientenverfügung, durch eine Vorsorge vollmacht.
00:21:06: Ganz besonders auch, wenn es Angehörige gibt, weil die einfach dann totale überfordert sind, wenn so eine Situation eintritt oder Betroffene vielleicht man nicht mehr ansprechbar ist.
00:21:16: Und für manche ist es sehr erleichtern, das tatsächlich einmal zu durchdenken, dann kann man es zur Seite legen.
00:21:24: und kann das Leben jetzt genießen.
00:21:27: Dann vielleicht auch diese Themen mal mit jemandem besprechen, der wirklich außenstehend ist, der neutral ist und nicht der eigene Partner vielleicht.
00:21:34: Wenn du jetzt eine Karte designen solltest, was würde draufstehen?
00:21:37: Hab Mut und Zuversicht, Stück für Stück dein Weg zu finden.
00:21:43: Es gibt nicht den richtigen Weg, aber es wird deinen geben.
00:21:47: Martina, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
00:21:49: Das war wirklich inspirierend, informativ und auch sehr...
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